Predigt vom 30. Oktober 2015

Predigt von Tim Hoogeveen, gehalten am 30. Oktober 2014 auf der Gemeindefreizeit der Jesus Freaks Gießen.

Predigttext: Hebräer 4,12

Moin Freaks,
schön euch hier zu sehen. Manche von uns sind ja schon seit gestern da, andere haben heut noch hart gearbeitet oder ebenso hart studiert und schlagen erst heute bei uns auf. Egal wie, schön euch hier zu haben. Bevor ich mit meiner eigentlich geplanten Predigt beginne, möchte ich noch kurz unsere Vision vorstellen – eine Art Kurzfassung von dem, was Thias eigentlich gestern machen wollte. Auch hier wieder mein übliches Vorwort: Wenn ich zu leise, zu laut, zu schnell oder zu langsam lese, meldet euch. Gerade das mit dem zu schnell passiert schon mal – wovon das Herz voll ist strömt der Mund ja bekanntlich über.

Unsere Vision, wie die Freaks 2018 aussehen sollen und auf welchen Grundfesten es fußt. Unsere fünf Grundfeste sind: Buch - Herz - Hand - Haus -Baum. Alles fünf wirklich wichtige Punkte, die damals, 2013, Ergebnis einer Fragestellung waren, welche lautete :
Was sind die Hauptthemen für die nächsten 5 Jahre?
Was sind unsere Träume?
Ich werde die fünf Punkte nummeriert vortragen – die Reihenfolge stellt aber in keinerlei Weise eine Wichtigkeitsrangliste dar:
1.: Buch:
Wir möchten ….
·         …. Gottes Worte lieben
·         …. in allen Bereichen des Lebens von Gottes Wort inspiriert werden
·         … Gottes Wort lernen um dies immer mehr umzusetzen
2.: Herz:
Wir möchten ….
·         ... Menschen sein, die eine konstante Gottesbeziehung haben, in der sich der liebevolle Umgang mit dem Nächsten widerspiegelt, wobei wir versuchen das was wir glauben und lernen in unserem natürlichen Alltag zu verwirklichen.

·         …unsere Gottesdienste sollen eine gesunde Lehre und Anbetung ermöglichen, wobei jeder seinen Teil dazu beitragen soll, damit niemand ausbrennt.           
·         ….Freaks zu Säulen/Leitfiguren der Gemeinde machen, die durch liebevollen Umgang, einem Herz zu dienen und persönlichem Engagement auffallen.       
·         ….Menschen so annehmen, wie sie sind. Wir wollen nicht zwischen Fit/unfit trennen. Wir wollen Menschen lieben, weil Jesus sie liebt..
3.: Hand:
Wir möchten ….
·         …. die Not der Stadt/Menschen erkennen und lindern
·         …. in natürlicher Weise wirken und in der Stadt präsent erkannt werden
·         …. die Kultur beeinflussen
·         …. die Not der Stadt/Menschen erkennen und lindern.
4.: Haus:
Wir möchten….
·         …gemeinsam leben, arbeiten, lieben und sterben! Und zwar richtig, intensiv und Jesusstyle
·         … mit Jesus und Freunden alt werden. Lebenslange monogame Beziehungen sind gewollt.
5. Baum:
Wir möchten…
·         ...eine Heimat für Studenten, Kinder und Gestrandete sein
·         ... Strukturen haben die, persönliche Entfaltung und Befähigung einzelner ermöglicht und davor bewahrt auszubrennen
·         ….unsere Mitgliederstruktur im Auge behalten.

Das waren sie also, unsere fünf Punkte.
Leider reicht die Zeit auf der Gemeindefreizeit nicht, um alles zu beleuchten - entweder wir müssen oberflächlich werden oder wir müssten euch so mit Informationen zuballern dass wir bei der letzten Predigt in überforderte unkonzentrierte Gesichter blicken. Beides Scheiße. Deswegen hat jeder von uns sich zum Predigen ein Thema ausgesucht, worüber er (oder sie) gerne reden möchte.
Bei mir war es das Thema Buch.
Mit Buch ist natürlich die Bibel gemeint. Nun ist es ja so, dass die meisten von euch wahrscheinlich eine Bibel besitzen oder ihr besitzt einen Computer oder ein Smartphone und hat somit die Möglichkeit ein Bibeltext zu lesen.
Ursprünglich sollte das hier mal eine klassische so-ham-wir-es-gelernt drei-Punkte-Predigt werden, wovon einer der Punkte sein sollte, warum wir die Bibel lesen sollten. Dank dem »ursprünglich« merkt der geneigte Zuhörer bereits, dass es anders kam. Aus diesem ersten Punkt ist jetzt eine ganze Predigt geworden. Ruben bietet nach meinem Kenntnisstand aber noch einen Workshop an, in dem sicherlich auch Punkte vorkommen werden, die ich hier gerne noch untergebracht hätte.
Eigentlich ist schon die Frage, warum wir Bibel lesen sollten, viel zu mächtig für eine Predigt - aus dem Material, was mir während der Predigtvorbereitung begegnet und ich nicht verwendet habe, könnte ich locker noch eine Predigt schreiben. Es haben Leute schon ganze Bücher drüber geschrieben. Ich versuche trotzdem das Wichtigste rüberzubringen, und ich werde euch zum Anfang mit einer vielleicht überraschenden These konfrontieren. Meiner Meinung nach muss keiner Bibel lesen. Das könnte jetzt für den einen oder anderen überraschend kommen, aber ich will es dir erklären. Wenn du Bibel lesen musst, dann hast du aus meiner Sicht schon ein Problem. Gezwungenes Bibellesen bringt nichts. Gezwungenes Lesen generell ist ja schon scheiße – welcher Schüler hatte nach Beendingung seiner Schulkarriere bitteschön kein Trauma von diesen elenden Reclamheften? – aber Bibellesen unter Zwang ist noch beschissener. Wenn du zu dir selber sagst, » Ich muss Bibel lesen«,  kannst du es eigentlich auch bleiben lassen, weil es dir nichts bringen wird. Es ist also auch nicht meine Absicht, dich zum Bibellesen zu zwingen. Sollte ich dies tun, sie es während der Predigt, sei es irgendwann anders, auf dieser Freizeit oder auch irgendwann später. darfst du mich gerne drauf ansprechen. Ich zwinge dich nicht, weil ich es nicht kann, es nicht will und nicht für sinnvoll halte. Es ist meine Absicht, dich davon zu überzeugen, dass du gerne Bibel lesen möchtest und gar keinen Zwang brauchst.
Meiner Meinung nach ist es aber aus ganz vielen Gründen wichtig, die Bibel zu lesen – und ich werde das zuerst mit der Bibel an sich begründen. Wobei, halt. Lass mich einen kleinen Einschub bringen.
Ich weiß nicht wer von euch mal studiert hat oder noch studiert oder wenigstens so tut. Aber auch einige von euch, die nicht studiert haben, werden vielleicht. im Rahmen ihrer Schullaufbahn mal eine Hausarbeit oder Projektarbeit oder sowas ähnliches geschrieben haben. Nun sind Predigten keine Hausarbeiten - zum Glück nicht, denn wäre meine Predigt eine solche, wäre ich mit diesem Ansatz wohl schon durchgefallen. Anhand der Bibel zu erklären, warum Bibel lesen gut ist hört sich von der Grundidee erstmal nicht so sauber an. Ansonsten könnte ich auch ein Buch schreiben, nennen wir es mal »Tims tausend tolle Lebensweisheiten« - Falls ich jemals auf die Idee kommen sollte, wirklich so ein Buch zu schreiben, möge man mir Laptop, Smartphone und Stift wegnehmen - und schreibe da rein: »Er ist wichtig, Tims tausend tolle Lebensweisheiten zu lesen.«. Diese Argumentation würde auf euch ja auch nicht schlüssig wirken. Merkt euch diesen Einwand, ich werde später darauf zurückkommen. Gut, wo war ich. Ach ja, ich wollte mit der Bibel argumentieren. Ich zitiere aus dem Brief an die Hebräer:
»Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. « (Hebräer 4,12)
lebendig kräftig schärfer.
Ach ja, es wäre ja auch zu schön gewesen wenn eine Predigt mal ohne etwas auskommt, was man in drei Teile teilen kann.
lebendig: Was ist mit »lebendig« gemeint? Warum lebt eine Bibel? Meine Bibel, die bei mir im Regal liegt und dank der Möglichkeit, die Bibel auch am Computer oder am Smartphone zu lesen, immer mehr verstaubt, atmet nicht und betreibt, obwohl sie grün ist, meines Wissens auch keine Photosynthese. Und lebendig - tja, dass ist ja auch was, was wir mit frische verbinden. Auch das ist nicht grad meine erste Assoziation, warum man Bibel lesen sollte Die letzten Bibelbücher wurden vor etwas mehr als 1900 Jahren fertig gestellt - also zur Zeit unserer Ur-ur-ur-ur –ich überspringe jetzt mal so siebzig mal »Ur« – Großeltern. Verdammt lang her. Gut. Aber trotzdem ist die Bibel lebendig, trotzdem lebt die Bibel. Nicht weil wir sie immer wieder übersetzen und sie deswegen sprachlich uns wesentlich näher steht als Literatur die »gerade mal« ein paar hundert Jahre alt ist - manche Bibelübersetzungen stehen mir ehrlich gesagt sprachlich sogar näher als zeitgenössischen Literatur. Sie lebt, weil wir leben. Bibel lesen ist nicht wie ein Buch lesen. Ja. Die Bibel ist ein Buch, also liest man es wie ein Buch, aber trotzdem ist es anders. Und dadurch lebt die Bibel und deswegen ist sie kräftig. Wenn ich die Bibel einfach nur runter lesen, ist das auch meiner Sicht kein Bibel lesen. Klar, ich mach das auch schon mal, wenn ich einfach nochmal Irgendeine Info suche - wie irgendeine Biblische Geschichte ging oder wissen will wie Jesu Uropa hieß. (Bevor ihr jetzt selber überlegt und euch darüber den Kopf zermürbt und deswegen meiner Predigt nicht mehr folgen könnt - Er hieß übrigens Mathan). Aber das ist für mich kein Bibellesen. Bibellesen ist für mich, wenn ich es ernsthaft betreibe, Interaktion. Ich lese nicht nur runter, sondern ich lasse mich davon bewegen, ich überlege es was es mir sagen will. Und so wie ich mich verändere, verändert sich die Bibel. Es macht einen Unterschied, ob ich »unser tägliches Brot gib uns heute« höre, nachdem ich mir am Heiligen Abend eine nicht grade kleine Menge an Gans, Klößen und Rotkohl einverleibt habe, oder wenn ich noch zwei Euro in der Tasche und einen leeren Kühlschrank und eine leeres Konto habe. Es macht einen verdammten Unterschied, ob ich »Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen,« (Römer 8,28) lese, wenn ich mich grade riesig über etwas freue, oder wenn ich es lese, nachdem ein Angehöriger gestorben ist oder ich eine sauwichtige Klausur im Studium nicht bestanden habe. Die Botschaft der Bibel ist nicht der nur der Text, der da steht. Es ist das, was der Text in mir auslöst. Die Botschaft des Textes entsteht nicht im Kopf, sondern im Herz. Und das ist die Lebendigkeit, und das ist auch die Kräftigkeit. Kräftig ist hier im Sinne von wirksam zu verstehen. Die Bibel wirkt, es steckt Energie drin. Kommen wir zum dritten Begriff dem» schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.«
Die Bibel ist kein happy-clappy Wohlfühlbuch. Klar es, gibt diese Geschichten, die man liest und wo man am ende denkt, alles ist gut, alles ist schön, denen die mit Gott gehen geht es gut, denen die ohne Gott unterwegs sind besiegt oder bekehrt. David und Goliath, Daniel, Ägypter die im Roten Meer versoffen sind, ihr wisst was ich meine. Aber so ist in unsere täglichen Leben nur selten, aber trotzdem ist das das Bild, das Christinnen und Christen häufig in der Öffentlichkeit oft propagieren. Ich weiß nicht ob ihr diese kleinen Traktatheftchen, »Chick-Traktate« oder so was kennt, aber als ich noch nicht bekehrt war, ham die mich eher abgeschreckt als ermutigt. Und auch heute ist es so, dass ich mich mit dem Gottes- und Bibelbild da drin Probleme habe. Ohne Gott läuft alles total schlecht, und bekehre ich mich, ist es - puff - das rosigste Leben der Welt. Ich freue mich, wenn Leute das so erfahren haben, aber wie realistisch ist das denn?. Klar, das Leben mit Gott ist geil und ich glaub keiner von euch möchte es missen. Aber - und ich zitiere mal wieder das T-Shirt, dass ich während der letzten Predigt trug, weil ich den Spruch einfach so mag - 's Läba isch koi Schlotzer - das Leben ist kein Zuckerschlecken. Es ist nicht so, dass ich einen Hebel umlege, Christ werde und alles ist rosig, ich werde nie mehr krank, habe immer genug Geld. Nope, so ist es nicht. Das Leben ist auch mit Gott nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen Und das ist es auch mit Gott nicht, nur mit Gott müssen wir den Weg nicht alleine gehen, sondern einen bei uns, der mit uns diesen Weg geht und uns notfalls trägt – Jegliche Ähnlichkeiten dieser Formulierung mit kitschigen Gedichten ist rein zufällig und nicht bebsichtigt.
Das Leben ist auch als Christ also nicht einfach, und auch das Bibellesen ist es nicht. Ich weiß, dass viele Leute Mühe mit dem Bibellesen haben. Wenn ich euch, die ihr euch hier versammelt habt, bitten würde - was ich nicht tun werde - dass jeder, der mit dem Bibellesen Mühe hat, sich meldet, würden wahrscheinlich einige Arme hochgehen, und ja, meiner wäre auch dabei. Ich frage mich, wo die Ursache liegt. Ich denke, es liegt vielleicht auch daran, weil wir es nicht wahrhaben wollen, was die Bibel uns sagt. Wir lesen die Bibel und merken, eigentlich müsste man und sollte man. Man merkt, dass der eigene Lebensstil vielleicht nicht das ist, was Gott erwartet, man fühlt sich demaskiert. Ja, Bibel lesen kann konfrontierend sein. Es geht durch Mark und Bein, wie es der Schreiber des Hebräerbriefs formulieren würde. Ja, es ist oft konfrontierend. Aber was ist die Alternative? Die logische Alternative zu Bibel lesen wäre es, keine Bibel zu Lesen. Aus meiner Sicht auch ne Scheißidee, und zwar ne größere. Wenn ich die Bibel nicht lese, weil ich Angst hab, sie könnte mich konfrontieren, geht es mir dann wirklich besser? Nope. Das ist wie, wenn ihr studiert, und ihr bekommt eine Mail, das ein Prüfungsergebnis da ist. So ist es bei uns an der Universität Du liegst gemütlich im Freibad oder sitzt auf dem Freakstock oder chillst auf deinem Sofa, plötzlich piepst ein Smartphone. Du bekommst eine Mail deiner Universität.
Sie können die folgenden Prüfungsergebnisse ab sofort abrufen:
Studienabschnitt XY
Prüfungsfach ABC
Prüfungsfachversion Standard
Teilprüfung Seminar
Lehrveranstaltung Bliblablub
Ein Nicht-Bestehen dieser Prüfungsleistung führt ggf. zur automatischen Anmeldung einer Ausgleichs- oder Wiederholungsprüfung.

Gut, du hast jetzt zwei Möglichkeiten. Du kannst dich verstecken und dich selbst verarschen. Sol lang ich die mail nicht aufmache ist meine Note auch nicht da. Probleme die ich nicht sehe sind nicht existent. Kopf in den Sand stecken, Vogel Strauß, du weißt schon. Aber wenn ich das tue, wie geht es mir dabei? ich weiß net wie es euch geht, Also ich fühl mich dann nicht besser und lauf mit nem Scheißgefühl rum und das bringt mir null. Aber wenn ich die Mail aufmache, dann kann ich was machen. Entweder ich hab ne gute Note - dann bin ich happy, ermutigt, erleichtert, whatever. Oder aber ich hab ne schlechte Note oder muss evtl. gar zu ner Wiederholungsprüfung. Klar ist so eine Wiederholungsprüfung nicht das was man möchte - Aber das ist dann zwar scheiße, aber ich hab wenigstens Gewissheit und weiß, woran ich arbeiten muss. Immer noch besser als mit einer ungeöffneten Mail voller Ungewissheit rumlaufen.
So ist es auch mit Bibel. Lass dich nicht von deiner Angst, die Bibel könnte dich mit etwas konfrontieren.
Klapp deine Bibel auf, öffne deine Bibel-App, Leg dein Bibel-Hörbuch in den CD-Player. Klar, es wird häufig konfrontierend sein, aber auch verdammt ermutigend. Und auch bei Konfrontationen solltest du dich fragen - wozu dient diese? Es ist ja nicht so, dass Konfrontationen per se scheiße sind. Ich weiß nicht wer von euch Arno und Andreas kennt, ein christliches Musikduo aus den 1980ern, von denen man heute hauptsächlich noch den »Gammler«, die Deutsche Übersetzung von Larry Normans »Outlaw» kennt. Auf jeden Fall haben die in den 1980ern auf einer Schallplatte - ihr wisst schon, so ne große dünne Frisbee mit Loch in der Mitte- ein Lied namens »Schlag nicht zurück« veröffentlicht, in dem es um Kritik geht. Im Kehrvers, also im Refrain, heißt es da:
Schlag nicht zurück, lauf nicht davon, wenn man dich ernsthaft kritisiert.
Es könnte sein, daß man es tut, damit man dich nicht ganz verliert.
Frag nach dem Grund, warum dir einer seine Meinung sagen will
und ist es Liebe, dann hör zu und halte still.

Und meiner Meinung nach sind die Konfrontationen in der Bibel nichts schlechtes, weil man die Intention betrachten muss. Die Bibel konfrontiert dich, aber sie tut dies nicht, weil sie dir böses will. Sie ist das Wort Gottes und Gott hat dich lieb. Gott will nur dein Bestes, und muss dich dafür manchmal mit Dingen konfrontieren oder Entscheidungen treffen, deren Sinn dir rätselhaft ist, die du aber irgendwann verstehen wirst. Dies ist im Übrigen die Eigenschaft von Gott, warum ich die Anrede »Papa« oder »Vater« für Gott so genial finde. Gott und gute Eltern haben da eine Gemeinsamkeit – Sie treffen Entscheidungen, um uns etwas Gutes zu tun, und müssen erleben, dass die Kinder die Güte dieser Entscheidungen nicht wertschätzen – und trotzdem lieben sie und.

Am Anfang habe ich bereits gesagt, dass man meine Argumentation zerstören kann, da die Bibel mit der Bibel begründen widersinnig sei. Die stimmt allerdings nur, solang wir die Bibel einfach nur als »ein Buch« und nicht als Kräftiges Schwert und Gottes Wort betrachten. Wer für sich der Meinung ist, die Bibel sei nicht Gottes Wort, für den ist meine Argumentation also nicht gültig. Ich betrachte die Bibel als ein solches Schwert. Nicht nur, weil es da drin steht, sondern weil ich selbst erlebt und an anderen erlebt habe, wie Bibellesen verändern kann. Das ist auch ein Fakt, der häufig von nicht Christen aufgegriffen wird. Ich möchte deshalb noch ein Zitat einbringen eines Menschen, der kein Christ war: Mahatma Gandhi, ein - ich zitiere Wikipedia - indischer Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer, Revolutionär, Publizist, Morallehrer, Asket und Pazifist. Er sagte einst über die Bibel: „Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen; dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist, sonst weiter nichts.“

Gandhi macht mit der Aussage, die Bibel sei für die Chrsiten »bloß ein Stück guter Literatur«, den Christen einen verdammten Vorwurf, den ich zum Teil so stehen lassen möchte, zum Teil aber auch nicht. Man kann es nicht verallgemeinern. Ich glaube, dass er bezogen auf die Situation auf viele Kirchen in der westlichen Welt Recht hat. Wir erleben in vielen Kirchen ein Christentum, welches die Bibel marginalisiert. Ich weiß nicht, wer sich noch an die Diskussion um das Familienpapier in der evangelischen Kirche in Deutschland erinnern kann – Ganz kurz zusammengefasst: Es gab eine »Orientierungshilfe« der Kirche, die sich sehr offen gegenüber der Homoehe äußerte und dabei auch Aussagen tätigte, die der Bibel wirklich diametral entgegen standen, war für großen Unmut sorgte – vor allem außerhalb, aber auch innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland. Und das beruhigte mich, denn man möge mich nicht falsch verstehen – ich möchte hier keinen Grabenstreit à la Evangelikale hier und Volkskirchler dort hervorrufen. Es gibt viele viele Christen und Kirchengemeinden innerhalb der EKD, die ein gesundes Bibelverständnis haben und in dieser Sache ihren Unmut geäußert haben – der Fisch stinkt vom Kopf her. Ulrich Parzany, evangelischer Pfarrer und Evangelist, der sich in einer Diskussion zu dem Thema auf die Bibel berief, wurde dann vorgeworfen, er würde die Bibel zu einem papiernen Papst machen. Ich finde das bizarr und irrsinnig. Man möge mir die Wortwahl verzeihen, aber Leute, geht’s noch? Wenn ich als Kirche jemanden dafür beschuldige, dass er in einer Diskussion mit der Bibel argumentiert, dann bin ich doch irgendwo verdammt falsch abgebogen, oder?
Eine der Sachen, für die die Reformatoren damals »angetreten« sind, war dass die Bibel einzige Richtschnur ist – für die Altsprachler unter uns: sola scriptura – nur die Schrift. Die Bibel ist ein mächtiges Wort und die Richtschnur des Christentums. Wenn sie nur ein Buch wäre, warum würden dann viele diktatorische Regimes Bibeln verbieten? Es gibt Gegenden der Welt, wo Leute wissen, dass sie eine empfindliche Strafe riskieren, wenn sie eine Bibel besitzen, und sie besitzen trotzdem eine. Es gibt sogar Leute, die aus Ländern, wo man die Bibel ohne Probleme besitzen, lesen und verkünden darf, in andere Länder reisen, wo das nicht der Fall ist, und dort Bibeln verteilen, obwohl dies dort strafbar ist? Würden sie das tun, wenn sie nur ein Buch wäre? Nein. Die Christen in diesen Ländern besitzen Bibeln, weil sie ihnen verdammt wichtig ist. Weil sie die Bibel als einen Schatz bewahren, als etwas, was ihnen Kraft gibt, als ihre Hoffnung, als ihre Zusage von Gott, das nach ihrem bisherigen Leben als verfolgten Christ ein Paradies wartet. Und die Bibel gibt ihren aber auch Mut, für eine bessere Welt zu kämpfen. Die Bibel verspricht Menschen eine Freiheit, eine innerliche Freiheit, egal wie sehr der Mensch in Ketten liegt. Würde man Christen dort erklären, wie in Teilen der westlichen Welt mit der Bibel umgegangen wird, ich glaube, sie wären sehr verwundert.
Wenn wir die Bibel von »Gottes Wort« zu einer »Inspirationshilfe für unser Leben« marginalisieren, tun wir ihr verdammt unrecht. Die Bibel ist die der Grundlage unseres Glaubens. Wir als Freaks glauben, dass sie Gottes Wort ist. Wenn wir das nicht tun, wo liegt unser Berechtigungssinn? Wenn wir die Bibel nicht mehr als Grundlage haben und uns nur noch versammeln, weil wir uns so gerne sehen, dann können wir auch einen verdammten Angelverein Gründen. Wir verlieren dann unsere Grundlage - oder um es mit den Worten Parzanys zu formulieren "Die Bibel ist Gottes Wort, sie ist die Urkunde der Offenbarung Gottes. Eine Kirche, die das nicht mehr bekennt, erledigt sich selber."

Deswegen finde ich es wichtig, dass wir als Freaks die Bibel als eine von fünf »Grundlagen« aufgenommen haben und möchte jeden von euch ermutigen - ich betone abermals nicht zwingen - der Bibel einen Platz in eurem Leben einzuräumen. Sollte noch Redebedarf bestehen oder Rückfragen existieren, könnt ihr mich gerne während der gesamten Freizeit und auch darüber hinaus drauf ansprechen.

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